Ein paar Dinge vorweg: Ich bin (Hobby-)Autor und Selfpublisher seit über zwei Jahren. Ich würde mich weder als Experte, Profi oder Besserwisser auf dem Gebiet Selfpublishing oder Buchmarketing bezeichnen. Ich möchte nur meine bescheidenen und ganz persönlichen Erfahrungen aus gegebenem Anlass mit allen Interessierten teilen.

Bevor ich zu der wirklich fulminant verlaufenen letzten Gratis-Aktion komme gibt es noch ein paar grundsätzliche Infos und Gedanken zu dem Thema und auch einen kurzen Rückblick auf weniger erfolgreiche Aktionen von mir.

Ein grundsätzlicher Gedanke zum Einstieg. Man stelle sich vor es gibt zwei Türen: Auf Tür A steht "0 Bücher verschenken und 100 verkaufen" und auf Tür B steht"1000 Bücher verschenken und 200 verkaufen". Welche Tür wähle ich als Autor? Das ist jetzt die spannende Frage. Und ich kann gut verstehen, dass man in dieser Frage mit sich selbst ein wenig am Ringen ist. Wenn sich jemand klar für Tür A entscheiden kann, ist die Sache für ihn einfach und er macht einfach keine Gratis-Aktionen. Wenn sich der Autor jetzt für Tür B entscheiden würden, sollte er zumindest über das Thema Gratis-Aktion nachdenken. Ja, erstmal nur nachdenken – immerhin gibt es die Türen in der Realität nicht und niemand garantiert den Erfolg.

Jetzt ein paar harte Fakten: Der Verkaufsrang bei Amazon trennt komplett zwischen gratis und bezahlt. In anderen Worten, haben die 0€-"Verkäufe" keine direkte Auswirkung auf meinen Verkaufsrang. Ggf. kann es sogar negative Auswirkungen geben, weil ja in den Aktions-Tagen keine Verkäufe stattfinden. Aber die indirekten Auswirkungen sind spannend: Zum einen kaufen viele Leser ihre Bücher über die Empfehlung "Wer Buch A kaufte, kaufte auch Buch B" und da rutscht man durch eine gut gelaufene Gratis-Aktion gut rein. Dann gibt es noch das Ranking nach "Beliebtheit", was wohl viele Leser beim Stöbern an Kindle oder PC nutzen. Hier hat Amazons Algorithmus definiert, dass 20 gratis "verkaufte" Bücher so viel wie ein regulär verkauftes Buch zählen. Einfach erklärt: Wenn ich normalerweise 10 Bücher am Tag absetzte und in einer kleinen Gratis-Aktion 200 Bücher, dann hat es mir für die "Beliebtheit" keinen Vorteil gebracht. (Quelle für meine Infos hierzu ist u.a. ein Artikel auf Selfpublisherbibel.de, den ich aber aktuell nicht finde.)

Meine vorangegangen Gratis-Aktionen liefen oft auch eher gut: Meist zwar nur mit einem kleinen, aber wichtigen, Stupser der Verkaufszahlen in die gewünschte Richtung als Resultat. Nachher gab es also mehr Verkäufe als vorher. Das waren vom Erfolg der Aktion her dann einige hundert gratis Bücher und ein Ausflug in die Top-20 der kostenlos-Charts bei Amazon.

Dann gab es z.B. auch eine sehr lahme Kostenlos-Aktion mit unter 20 Büchern für lau, was natürlich keinen positiven Effekt hatte. Was war da passiert? Ich sah die Notwendigkeit, den langsam sinkenden Verkaufszahlen einen Stupser zu geben. Gleichzeitig wollte ich die Leute auf Facebook nicht (schon wieder) mit so einer Aktion nerven. Also einfach nur eingestellt, aber absichtlich nicht beworben. Tja, klappt also nicht immer.

Was sind also die Zutaten für eine richtig erfolgreiche Gratis-Aktion? In meinem Fall: Mut, Glück, gute Vorbereitung, Unterstützung.

Mut war die Entscheidung, alle drei bisher erschienen Teile meiner Reihe "Die Steine der Götter" gleichzeitig reinzustellen, um mein zweijähriges Jubiläum als Selfpublisher gebührend zu feiern. Natürlich hatte ich die Befürchtung, dass "der Markt" schlimmstenfalls gesättigt ist und dann niemand mehr die Bücher für Geld kaufen wird. Aber, um aus einem meiner Bücher zu zitieren: "Wenn du nicht versuchst, nach den Sternen zu greifen, wirst du sie auch niemals in der Hand halten können." Also einfach mal mutig alle meine drei Schätze für ein Wochenende (genauer: Freitag bis Montag) reingestellt, mir selbst die Daumen gedrückt und mit den Vorbereitungen begonnen.

Was habe ich alles an Vorbereitungen gemacht?
1. Ein paar nette Blogger (insbesondere Monika) lieb darum gebeten, die Aktion zu teilen.
2. Ein schönes Bild und entsprechende Posts für Facebook und Instagram vorbereitet.
3. Xtme angeschrieben mit einem Hinweis auf die geplante Aktion.
4. Auf rezi-suche.de die drei Preisaktionen eingetragen.

Was war die Unterstützung? Natürlich hat der eine oder andere aus meinem Freundeskreis die Aktion geteilt, aber der Großteil meines Danks gebührt den fantastischen und freundlichen Buchbloggern, die sich bei Facebook rumtreiben.

Was meine ich mit Glück? Also letztendlich die Tatsache, dass sich über 13.000 Personen meine drei Bücher runtergeladen haben (also 40.000 Downloads in Summe). Warum genau kann ich nicht sagen, aber Folgendes war wahrscheinlich ein wesentlich Faktor: Ich wurde gemydealzt. Irgendwie ist meine Aktion bei mydeals gelandet und da extrem "hot" gevoted worden. Ungeplant und unerwartet.

Und warum ist meine Werbeaktion jetzt für mich ein Erfolg gewesen? Wahrscheinlich hat der Screenshot es schon verraten. In der Woche vor der Aktion hatte ich ca.3 bezahlte Buchverkäufe pro Tag, was für mich nicht gut, aber okay war. In der Woche danach sind es über 50 pro Tag. Auch gelesene Seiten über Kindle Unlimited haben gewaltig zugelegt.

Tatsächlich bin ich selber immer noch extrem überrascht, erfreut, fasziniert, erstaunt und sogar irritiert, dass meine Bücher bei Amazon kurz nach der Aktion direkt neben z.B. J.K. Rowling und Halo Summer im vordersten Regal standen und nicht mehr im dritten Seitengang links hinten verstaubten.

Risiken und Nebenwirkungen gibt es natürlich auch. Insgesamt habe ich in der Woche nach der Aktion zwei positive und zwei negative Rezensionen bekommen, was den Schnitt ein wenig runterzieht. Vermutlich hätten sich die Leser mit den negativen Rezensionen die E-Books nicht für Geld gekauft, aber ich denke, mein Fell ist an dieser Stelle dick genug. Dann habe ich auch noch vier seltsame "neutrale" Rezensionen, die meiner Meinung nach von Fake-Accounts stammen, eingesammelt. Aber ich vertraue ich darauf, dass die potenzielle Leserschaft nicht nur auf den Sternedurchschnitt schaut, sondern die Rezensionen auch liest und sich dann selber seinen Teil denkt.

Fazit: Kann in der Gesamtbetrachtung sehr gut laufen. Und ich bin gespannt, wo die Reise für mich als Schriftsteller noch hingeht.

Julian Kappler,
Hamburg, September 2018